Digitalisierung

Die Zeit nach Google

Im Moment vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht eine neue Suchmaschine wünsche. Nämlich immer, wenn ich dringend etwas ganz Bestimmtes in der Google Suche über gezielt ausgewählte Begriffe erfrage. Google reagiert darauf, in dem es bei den ersten Suchergebnissen meine Keywords durchstreicht und mir anzeigt, worauf es gerade Lust hat. Konkreter: Was ich seiner Meinung nach eigentlich gesucht habe. Und das ist fast immer falsch geraten.

Versuche ich Google auf bestimmte Begriffe festzunageln, zeigt es mir irgendwelche Dinge von 2004 an, was im technischen Zusammenhang Jungsteinzeit ist. Es ist zwar eigentlich schon frech, unverblümt die eingegebenen Keywords durchzustreichen, denn das war mein Suchauftrag. Wenn ich eine Pizza bestelle, will ich auch kein Grillhähnchen. Schlimmer noch ist, dass die Suchergebnisse überwiegend für mich unverwendbar sind, oder um es in Google-Sprache auszudrücken: keine Relevanz haben. Ich gehe daher oft dazu über, direkt auf YouTube nach einem Video zu suchen, in dem mir jemand grob erklärt, worum es geht oder in Social Media Kanälen zu fragen.

Die Relevanz für unser Thema hier wird klar, wenn Sie sich überlegen, dass mögliche Nutzer Ihrer Produkte oder Dienstleistungen auch suchen und Sie vielleicht nicht finden, weil die passenden Keywords rausgestrichen wurden. Oder die teuer bezahlte Onlinewerbung völlig verpufft, weil sie sich zu „geratenen“ Antworten gesellt.

Jetzt ist es nicht so, dass ich bei der Bedienung von Suchmaschinen völlig unbedarft wäre. Ich habe mich mit SEO-Fragen beschäftigt, als die Suchmaschine noch AltaVista hieß. Und während der letzten Jahre immer mal wieder auch Google Zertifizierungen abgelegt.

Daher kann ich mir vorstellen, woher dieser Effekt kommt. Google versucht seit einiger Zeit, von den Suchbegriffen wegzukommen und sich nicht als Suchmaschine zu verstehen, sondern als Antwortgeber. Und zwar für die eine richtige Antwort. Das sieht man schon am „Knowledge Graph“, also der Komplettantwort auf die vermeintlich gestellte Frage, die man immer auf der Seite mit den Suchergebnissen angezeigt bekommt. Der Suchende fragt: „Wo ist hier die nächste Pizzeria?“ und Google zeigt direkt die Antwort, fertig mit Routenplanung. Das klingt zwar praktisch, ist aber gerade für die Anbieter auch höchst ärgerlich, weil der Suchende so gar nicht mehr auf die Seite des Unternehmens muss und dem damit die Chance genommen ist, sich so darzustellen, wie es das möchte.

Der andere Grund liegt in der zunehmenden Rolle der sprachgesteuerten Suche. Wenn jemand sein Handy fragt, wo etwas ist, will er keine Liste mit 2000 Suchergebnissen vorgelesen bekommen, sondern eine Antwort. Die einzig richtige Antwort. Und so versucht die Suchmaschine zu erkennen, was genau die Frage ist und wenn sich aus den Keywords keine eindeutige Frage ergibt, rät sie einfach (man kann das auch vornehmer mit Begriffen der AI und des maschinellen Lernens ausdrücken, aber darauf läuft es hinaus).

Das immer wieder zitierte Beispiel sind die ortsabhängigen Suchen: Ich stehe gerade auf einem bestimmten Platz und will von Google wissen, wo das nächste Café ist. Das Dilemma ist nur, dass die meisten Dinge in einer komplexen Welt nicht so eindeutig sind, es nicht notwendigerweise eine richtige Antwort gibt, dass es bei den meisten Dingen im Leben sogar eine Herausforderung ist, die richtige Frage zu stellen.

Das wurde mit der Antwort „42“ auf die Frage nach dem Sinn aller Existenz aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ unsterblich. So eine Antwort bekommt man, wenn man nur eine richtige Antwort anerkennt.

Und so ist die Idee, eine Suchmaschine darauf zu trimmen nur Fragen zu akzeptieren, auf die sie eine eindeutige Antwort findet, grundsätzlich fragwürdig. Das führt dann zu Situationen wie in dem Film „Sex Tape“ mit Cameron Diaz, in dem ein verzweifelt Suchender schnell eine technische Beratung will, aber immer nur von seinem Tablet erzählt bekommt, wo das nächste Starbucks zu finden ist. Obwohl das im Film zugegebenermaßen nicht Google war, sondern Siri…

Zu wissen, was meine Frage ist, bleibt mein Job als Mensch. Ebenso, mir einen Reim auf die vielfältigen Antwortmöglichkeiten zu machen. Daher will ich eine echte Suchmaschine und keine selbsternannte Antwortmaschine. Ich bin lieber auf der Suche, als zu einfache Antworten zu akzeptieren.

Was ist also im Unternehmensalltag zu tun? Nun, die Suchmaschinen und ihre Eigenschaften zu kennen und zu nutzen, aber auch andere Wege der Kommunikation zu erschließen, über Bilder, Video, oder „organische“ Online- und Offline-Gespräche. Und sonst kann es immer eine weitere Garage geben.

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